In der normalen Zellkultur erfahren die in vitro kultivierten Zellen einen ständigen Wechsel ihrer Umgebung: Mikroskopieren, Mediumwechsel und das Subkultivieren bedingen ständige Wechsel der Parameter: Temperatur und pH, abgesehen von dem mechanischem Stress durch die Bewegung des Flüssigkeitsspiegels. Damit ist eine Standardisierung nahezu unmöglich, da dieser Wechsel der zellulären Umgebung sich direkt auf den Metabolismus der Zelle auswirkt. Ein weiteres Dilemma hinsichtlich einer wirklichen Standardisierung liegt in der unzureichenden quantitativen Beurteilung des Bedeckungsgrades einer adhärenten Zellkultur. Die Begriffe reichen von semikonfluent über fast-konfluent bis postkonfluent - abhängig von dem subjektiven Empfinden des Operators am Mikroskop.
Um diese unzureichenden Bedingungen in der Zellkultur zu standardisieren, entwickelten 4 Arbeitsgruppen der Fraunhofergesellschaft (IPM, IPA, FIT und IBMT) ein automatisiertes Zellkultursystem ACCM. Unter der Mitwirkung einer Beratergruppe unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Gerhard Unteregger (in vitro-Zellkulturakademie) wurde in den vergangene 4 Jahren ein voll funktionsfähiges System entwickelt. Kernpunkt ist ein zentrale mirkoskopische/optische Einzeit mit Phasenkontrast, Fluoreszenz (LED) und Holographie. Über eine lernfähige Software kann jederzeit der Zustand einer Zellkultur erfasst und dokumentiert werden. Dank der trainierbaren Software kann über die quantitative Ermittlung des Bedeckungsgrades oder der Zellzahl eine direkte Arbeitsanweisung an den ebenfalls im Brutschrank integrierten Roboter erfolgen: Mediumwechsel, Trypsinzugabe, Applikation von Wachstumsfaktoren finden vollautomatisch statt, ohne dass der Operator eingreift und die Zellen das optimale Mileu von 37°C und der notwendigen CO2-Konzentration incl. 95% Luftfeuchtigekeit verlassen.